Ihr Lieben,

leider sind wir nun bereits zum zweiten Mal in Folge gezwungen das Queer Festival Heidelberg in seiner gewohnten Form als großes Community-Festival im Mai 2021 abzusagen.

Mit zuletzt 8000 Besucher*innen bei 30 Veranstaltungen im Jahr 2019 verwandelte das Festival mit seinem internationalen Programm zu den Themenfeldern sexueller und geschlechtlicher Diversität unsere Stadt alljährlich für einen ganzen Monat in einen Treffpunkt der queeren Community in Deutschland und Europa. Vor der Festivalabsage durch Covid-19 waren für den Mai 2020 bereits über 40 Veranstaltungen geplant, mit einer erwarteten Besucher*innenzahl von ca. 10.000.

Da wir mit Queer Play e.V. selbst über keine eigenen Mittel verfügen und trotz Heidelbergs Verpflichtung im Rahmen der Rainbow Cities Mitgliedschaft nach wie vor nicht städtisch gefördert werden, trifft die erneute Absage des Festivals alle Beteiligten und ehrenamtlich arbeitenden hart und bedeutet enormen zusätzlichen Organisationsaufwand.

Doch härter trifft es unser Publikum und im speziellen all die queeren Menschen unserer Region, für die das Queer Festival ein wichtiges kulturelles Großevent ist, wo sie gemeinsam mit anderen LGBTIQ+, queere Kultur und positiv gelebte Queerness erleben und sich untereinander austauschen können.
Durch aktuelle Studien ist belegt, dass queere Menschen in besonderem Maße von den derzeitigen Einschränkungen betroffen sind. Dies betrifft alle LGBTIQ+, doch im besonderen queere Jugendliche, die seit Monaten in Isolation und teilweise in nicht-akzeptierenden Familien leben. Dies betrifft all diejenigen, die nach wie vor aus verschiedensten Gründen ungeoutet sind, ältere LGBTIQ+ oder Neuzugezogene, ob Student*innen oder Geflüchtete, die seit mehr als einem Jahr kaum Möglichkeit haben in einer fremden Stadt Anschluss zu finden.

Bitte denkt daran – Ihr seid nicht alleine!

Der enge Kontakt zu euch über das letzte Jahr hinweg macht uns bewusst, wie einschneidend die Absage des Festivals für LGBTIQ+ in Heidelberg bisher war und weiter ist. Und ebenso bestätigt die große Teilhabe an den neu entwickelten Pop-up Formaten, die wir im Jahresverlauf als digitales Ersatzprogramm oder als Präsensveranstaltungen umsetzen konnten, die Wichtigkeit unserer lokalen Arbeit.

Unsere Priorität besteht daher weiterhin die Community in den kommenden Wochen und Monaten zu unterstützen und wo möglich zusammenbringen. Wir arbeiten weiter gezielt daran Projekte zu realisieren, die aufgrund ihrer Strahlkraft und kulturellen Relevanz in der Lage sind Vorurteile in der Gesellschaft abzubauen. Wir werden weiter mit aller Kraft Events und Veranstaltungen planen, die Vielfalt und queeres Leben in unsere Stadt bringen.

Derzeit laufen die Vorbereitungen für die nächste Fotoausstellung mit dem Titel „Queer Is Not Anti“. Nach dem großen Erfolg mit internationaler Beachtung der Ausstellung „Breaking Gender Stereotypes“ im letzten Jahr, haben wir dieses Jahr erneut 150 Projekte von Amateur- und Profifotograf*innen aus aller Welt erhalten.
Ab dem 8. Mai werden die besten Projekte, ausgewählt durch eine internationale Jury, wieder in den Straßen von Heidelberg und auf unserer Webseite zu sehen sein. Unterstützt werden wir dabei erneut durch das Amt für Chancengleichheit der Stadt Heidelberg. Vielen Dank dafür.

Um möglichst bald auch wieder gemeinsame Erlebnisse und direkten Austausch zu ermöglichen, planen wir zum IDAHOBIT* am 17. Mai gemeinsam mit dem Queeren Netzwerk Heidelberg einen Community Tag auf der Sommerbühne am Karlstorbahnhof. Wir halten euch dazu auf dem Laufenden.

Wir glauben nach wie vor fest daran, dass wir durch unseren starken Zusammenhalt auch diese Herausforderung bewältigen und einen gemeinsamen Weg nach vorne finden werden.

Wir sind immer noch hier, wir sind immer noch queer und bald hoffentlich auch wieder vereint. Passt auf euch auf!

Dominic Hauser und Martin J.V. Müller