Jury Statement
Die Suche nach sicheren, willkommen heißenden Orten, Räumen, die freie Entfaltung ermöglichen und ein Leben jenseits der Ränder eröffnen, verläuft nicht nur entlang von Landesgrenzen, sondern ebenso zwischen Stadt und Land. Zac Thompsons Biografie steht exemplarisch für diese vielfach beschriebene Bewegung: queere Existenzen, die in kulturellen Metropolen eigene Räume schaffen und diese durch Kunst und Praxis prägen – nicht nur als Orte für sich selbst, sondern als Impulse, die urbane Räume lebendig und anschlussfähig halten. In der kollaborativen Arbeitsweise von Zac Thompson und JuJu spiegelt sich dieses Moment auch formal wider: Indem sie das vermeintlich statische Medium der Fotografie mit der Flüchtigkeit von Performance verschränken, entsteht ein dialogischer Bildraum, in dem Differenz bestehen bleibt. Dieses Zusammenspiel wird zu einer Form des Sich-Haltens – über mediale Grenzen hinweg, in der Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Perspektiven.
Duet
Duet ist eine Zusammenarbeit von Zac Thompson und JuJu zwischen analoger Fotografie und Performance. Geprägt von Herkunftsgeschichten in religiös-evangelikalen Kontexten, verortet sich ihre Praxis heute in Brooklyn innerhalb der trans- und queeren Performance-Community, getragen von Freundschaft, Austausch und Chosen Family. Mit Einweg- und Point-and-Shoot-Kameras zeigen beide dieselbe geteilten Momente aus unterschiedlichen Perspektiven: Performances, Zusammenkünfte, flüchtige Begegnungen. Es entstehen parallele Bildspuren, die in einem kollaborativen Prozess zu Collagen zusammengeführt werden. Zwei Aufnahmen verschränken sich zu einer dritten, einem geteilten Bildraum, der Autor*innenschaft auflöst und eindeutige Perspektiven unterläuft. Durch die Verbindung analoger Verfahren wie C-Print und Silbergelatine verschieben die Arbeiten zugleich die materiellen Möglichkeiten des Mediums. Die so entstehenden Bilder sind weniger Dokumente als Setzungen: verdichtete, intime Räume, in denen sich die Fluidität, Vielstimmigkeit und gegenseitige Bezogenheit queeren und trans Lebens abzeichnen. Indem die Bilder einander halten und mit ihnen die, die sie hervorgebracht haben, wird Duet zu einem visuellen Gefüge aus Nähe, Kollaboration und geteilter Sichtbarkeit, ein Archiv von Chosen Family und zugleich ein eigener Weltenentwurf.
Biografie
Zac Thompson, aka Zacrilegious, ist ein*e trans-nonbinär*e Fotograf*in, Performer*in und Produzent*in in Brooklyn, New York. Aufgewachsen in Colorado und Florida innerhalb einer evangelikal-christlichen Missionsgemeinschaft, wurde die Fotografie früh zu einem zentralen Ausdrucksraum, ein Mittel, um sich imaginativ wie tatsächlich aus restriktiven Kontexten zu lösen und ein queeres, künstlerisches Leben zunächst in Los Angeles, später in Brooklyn zu realisieren, wo Zac seit 2017 lebt und arbeitet. Das vielschichtige Werk, von Fotografien und Zines bis hin zu Drag-Show-Produktionen und kuratorischen Projekten, stellt queere Freude und künstlerische Praxis ins Zentrum, um normative Vorstellungen von Geschlecht, Familie und Fürsorge zu hinterfragen. Zac Thompson absolvierte ein BFA an der University of Florida sowie ein MFA an der School of Visual Arts in New York. Arbeiten von Zac Thompson wurden unter anderem im Brooklyn Museum, im International Museum of Art & Science in McAllen, Texas, sowie in der Craig Krull Gallery in Los Angeles gezeigt. Darüber hinaus ist Zac als Autor*in für Hyperallergic und Paper Magazine tätig und nahm an Residenzprogrammen wie dem Hambidge Center (Georgia) und der Chautauqua School of Art (New York) teil. Aktuell lehrt Zac Thompson als Adjunct Professor für Fotografie an der Montclair State University in New Jersey.